Collapse and Relax - Interview

Als diese Page Mitte Juni online ging kam die Idee auf ein richtiges Interview mit readymade zu führen. Und so kam es dann, dass Jeannie und ich am 8.9.2002 in Bochum mit der Band im Tourbus saßen und sie löchern durften.
Die Idee hierbei war es, jeden einzeln zu interviewen und das Ganze am Schluß zusammenzufügen. Die anderen Bandmitglieder sollten die Antworten nach Möglichkeit nicht vorher mitbekommen, damit jeder seine ganz eigene Meinung spontan wiedergibt und man nachher vergleichen kann. Blöderweise kam und diese Idee erst einen Tag vorher, so dass unsere Fragen nicht wirklich darauf ausgerichtet waren. Demnach hatte der Ausfall des Konzertes in der Matrix doch etwas Gutes, wir hatten sehr viel Zeit!
Alle Vier waren sehr gesprächig und so kam es, dass eigentlich viel mehr Fragen beantwortet wurden, als gestellt worden waren. Heraus kam ein sehr interessantes Interview, deshalb habe ich mich entschieden so wenig wie möglich rauszukürzen und den Wortlaut beizubehalten. Aber für diejenigen, denen es zu lang ist, wird's bald eine Kurzversion geben...

CaR: Welche Ansprüche stellt ihr mittlerweile an die Veranstalter, wenn ihr ein Konzert gebt?

Zac: Ich glaub, das hat sich überhaupt nicht verändert im Vergleich zur letzten Tour oder so. Technisch gesehen müssen bestimmte Dinge da sein wie Boxen, Monitore, die Anlage muss groß genug sein, damit alles bedient ist und alle spielen können. Und vom Catering her ... also wir haben jetzt keine Sonderansprüche. Es gibt sowas, wie das man gerne Honig hätte, weil ich trink immer ganz gern einen Tee mit Honig, was gut für die Stimme ist. Udo hat jetzt zum Beispiel Müsli draufgesetzt und so Kleinkram. Aber ansonsten sind wir eigentlich 'ne relativ softe Band was Ansprüche angeht.
CaR: Also, ich hab da über anderen Bands schon ganz andere Dinge gehört...
Zac: Ja, das kann sein. Ich hab auch schon andere Catering-Listen gesehen von irgendwelchen Bands die dann echt ganz extreme und ausgefallene Wünsche haben. Gerade so amerikanische Bands, die dann irgendwelchen amerkanischen Kram wollen, den man hier wahrscheinlich gar nicht kriegt und wo dann irgendwelche Leute stundenlang durch die Stadt laufen müssen und dann irgendwelche Sachen suchen müssen.
Man schreibt halt Sachen drauf wie kleine Snacks, Gummibärchen, frisches Obst oder vielleicht 'n Saft, der nicht gerade zu 60% aus Fruchtgehalt besteht sondern zu 100%, sowas... und dann Wasser ohne Kohlensäure, weil ich kann kein Wasser mit Kohlensäure tricken, das ist beim Singen nicht so toll.

Steffen: Im Prinzip nicht viele, würde ich sagen, weil wir immer noch so'n bisschen der Meinung sind, dass wir keine riesen Band sind, keine Superstars, die mit irgendwelchen höheren Ansprüchen in den Club gehen sollte und den Veranstalter sagen "hier, wir hätten hier gern soundso viel Flaschen Sekt dies und das" und sind da eigentlich relativ Bescheiden, wollen's auch bleiben und haben halt so 'ne kleine Cateringliste wo halt so'n paar Sachen drauf stehen. Das wär halt immer toll, wenn die da sind und wenn nunmal nicht alles da ist, ist es auch nicht so schlimm. Hauptsache der Veranstalter ist nett und man versteht sich gut mit ihm. Das ist eigentlich so das Wichtigste. Aber Ansprüche eigentlich ziemlich gering, würde ich sagen.

Chris: In erster Linie, dass sie gute Promotion machen. Das heißt im Vorfeld Plakate aufhängen, dafür sorgen, dass diese Presseinfos, die's gibt, verteilt werden in der lokalen Presse. Also dass der Veranstalter guten Kontakt hat zur Presse, plakatiert und Flyer macht,... dass 'ne vernünftige Tonanlage da ist, dass es was zu Essen und zu Trinken gibt für uns und dass man versucht so günstig wie möglich auch zu kalkulieren. Das heißt, dass der Veranstalter versucht - weil das liegt nicht mehr so richtig in unserem Rahmen - so günstig wie möglich irgenwie das Konzert anzubieten. Wobei das wirklich eben 'ne Sache ist vom Veranstalter. Wie kalkuliert der, was mietet der für 'ne Anlage an und so weiter. Deswegen kostet manchmal vielleicht ein Konzert 10 Euro an der Abendkasse, manchmal 12 Euro. Das sind alles so Unterschiede, da haben wir nicht so direkt Einfluss. Ich denk einfach, dass er, wie gesagt, seine Job macht, eben für Reklame sorgt und dafür sorgt, dass die Band sich irgendwie einigermaßen wohl fühlt.. und das ist eigentlich schon das Hauptding, was der Veranstalter machen sollte.

Udo: Ich finds schön, wenn's im Backstagebereich 2 Zimmer gibt. Jetzt nicht für Vorgruppe und Hauptact, sondern allein weil in einem Backstagebereich immer so viele Leute stehen und man kann sich im anderen Zimmer umziehen. Ich hasse nichts mehr jetzt mittlerweile als nassgeschwitzt von der Bühne kommen und, mich umziehen zu wollen und ich hab 20 Leute im Backstage, die ich nicht kenne. Und du stehst dann da halb nackt und versuchst dich umzuziehen und musst dann mit den nassen Klamotten auf's Klo rennen,auf's öffentliche Klo oder irgendsowas, und musst dich dann da umziehen. Das hasse ich wie die Pest. Also finde ich zwei Räume immer ganz schön.
Wichtig finde ich, das es sauber ist. Also gerade so, dass es eine Dusche gibt, das ist mir wichtig. In den letzten zwei Clubs war das absolut vorbildlich. Dann Cateringsachen, da gibt's ja 'ne Liste, was wir gern hätten... PA ist auch meistens gut... Ich würd sagen diese hygienischen Sachen, das ist mir sehr wichtig.


CaR: Wann macht dir ein Konzert richtig Spaß?

Zac: Das ist verschieden. Eigentlich sollte ja jedes Konzert Spaß machen, aber es gibt verschiedene Umstände und manchmal dauerst's so seine Zeit. Manchmal ist es so, dass, sobald man auf die Bühne geht, dass man schon beim ersten Lied merkt irgendwas klickt und man ist sofort drin. Und manchmal dauert es halt so seine Zeit. Wenn man gerade so Probleme hat wie in Aschaffenburg, dass da der Amp beim ersten Lied nicht geht, da wird man manchmal ein bisschen nervös, und dann dauert's bis man reinkommt, aber ich glaub so richtig Spaß ist es, wenn man sich selbst in dem Ganzen verliert, das man eigentlich das Umfeld gar nicht mehr wahrnimmt. Man muß das irgendwie so ausblocken, dass man, wenn man hinterher von der Bühne geht, sagen kann "ok, was hab ich gerade gemacht?" Also, dass man das vergisst, dass man irgendwie so auf 'ner anderen Ebene war und das ist, glaub ich, eben das Beste. Man darf nicht zuviel drüber nachdenken was jetzt zum Beispiel schief gehen könnte oder man darf nicht irgendwie zu nervös werden innen drin, wenn es mal 'ne kleine Panne gibt. Das ist auch nicht schlimm, man muß einfach nur sich verlieren in dem Ganzen. In dem Song drin sein und dann, wenn man hinterher von der Bühne geht oder einen Tag später, dann muß man die Konzerte fast schon vergessen haben. Also die Besten sind die, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann, weil da war man irgendwo anders und war irgendwo drin und das sind immer die Besten.

Steffen: Das hat bei mir eigentlich was mit der Tagesform nur zu tun, dass heißt wenn ich irgendwie am Morgen, Mittag oder Nachmittag irgendwas tolles erlebt hab, oder aus irgendeinem Grund gut gelaunt bin, macht mir eigentlich ein Konzert immer am meisten Spaß. Egal ob irgendwas schief geht auf dem Konzert oder sonst irgendwas. Oder ob vielleicht nur 20 Leute da stehen oder ob alle scheiße drauf sind, das ist mir dann egal, mir macht's dann Spaß. Und das ist unabhängig bei mir eigentlich, ich glaub im Gegensatz zu den anderen, ob jetzt irgendwie da 'ne riesen Meute steht und uns abfeiert oder halt eben nicht. So irgendwas. Also, wenn ich irgendwie 'n guten Tag hatte, macht's mir eigentlich Spaß, das ist so die Hauptsache.

Chris: Richtig Spaß macht's dann, wenn man merkt, dass schon ein bisschen was vom Publikum auch zurückkommt. Das heißt, wenn so eine Interaktion stattfindet. Wir geben und die Leute nehmen das an und geben auch einem auch irgendwie ein bisschen Feedback. Und zeige in irgendeiner Form, dass sie Spaß haben. Das muß jetzt nicht unbedingt sein, dass der ganze Laden irgendwie pogt oder so, das kann auch schon sein, dass die Leute klatschen. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Und dass man merkt, dass sie zuhören, das langt schon vollkommen. Also wenn sowas schon da ist, dann ist es schon richtig gut. Und gestern abend war's zum Beispiel so, dass wir uns wirklich viel Mühe gegeben haben, dass wir dann aber auch gemerkt haben, dass das Publikum das honoriert und dass das ankommt. Und dass dann das Publikum auch immer mehr wollte und uns auch was gegeben hat und das ist eigentlich das Beste. Das Publikum trägt einen so'n bisschen nach Hause und wir geben dem Publikum hoffentlich einen guten Abend und einne gute Zeit wo sie irgendwie den Alltag und alles vergessen können.

Udo: Wenn der Sound gut ist auf der Bühne, das ist halt wichtig bei mir. Ich geh weniger davon aus ob man Fehler macht oder sowas, ich beurteile grundsätzlich alle Konzerte immer nur danach wie ich mich auf der Bühne gefühlt hab. Im Colos-Saal fand ich's - das ist jetzt ganz unabhängig von dem Publikum - großartig, hab ich mich super wohl gefühlt. Gestern [Anm CaR: Bielefeld/Kamp] ist auch ein gutes Konzert gewesen, aber ich hab mich nicht ganz so wohl gefühlt. Manchmal, wenn ich nicht den richtig guten Sound auf den Ohren hab, dann prügel, ich wahnsinnig rein - gut, ich prügel immer rein (lachen) - aber dann... wenn der Sound schön ist, dann ist es etwas entspannter.


CaR: Wieviel bekommt man beim Konzert vom Publikum mit?

Zac: Verschieden. Also je nachdem. Bei mir kommt's immer auf die Beleuchtung drauf an. Zum Beispiel gestern war die Beleuchtung nur von vorne. Das heißt, die hinter der Bühne waren gar keine Lampen, und du hast halt nur schwarz gesehen. Wenn die Lichter dich anleuchten, dann siehst du meistens nur die ersten zwei Reihen und das war's. Das einzige was man dann hört ist akustisch, also je nach Applaus. Manchmal, wenn man halt Beleuchtung von hinten hat, dann sieht man schon die Leute und es ist halt immer schwer, wenn man halt so'n bisschen... je feinfühliger man ist. Wenn man irgendwelche Leute im Publikum beobachtet, die gerade bei irgend'nem Song anfangen zu gähnen oder sowas, dass man sich davon nicht irgendwie beinflussen lässt. Also, das ist immer so'n bisschen drüber hinwegschauen. Und ich hab's manchmal ganz gern, wenn ich das Publikum gar nicht so wahrnehme, sondern nur so'n Pulk vor mir sehe, das ist manchmal besser.
CaR: Warum?
Zac: Ich weiß nicht, da bin ich vielleicht zu sensibel oder sowas oder vielleicht noch ... obwohl's paradox klingt: man steht da auf der Bühne im Mittelpunkt, und dann die Leute zu sehen... man hat schon Augenkontakt und so, aber das ist das verlieren in dem Song. Man vergisst ja um sich herum alles. Und man wird halt rausgerissen, wenn man da jemanden sieht.

Steffen: Man bekommt so das Verhalten des Publikums in den ersten eins bis fünf Reihen ungefähr mit, allein schon vom visuellen her. Weil man nach der fünften Reihe meistens wegen den Scheinwerfern schon nichts mehr sieht. Das heißt, man bekommt dann mit entweder ob die vorne dicht gedrängt stehen, dann weiß man ungefähr das es ist ziemlich voll ist, oder machmal auf irgendwelchen Festivals - so mittelgroß und kleineren - dann ist es immer ganz lustig. Dann sieht man auch die ersten eins bis fünf Reihen, und dann sieht man manchmal da so barfüßige Hippies. Da denkt man sich dann eher, ob das so toll ist heute mit dem Publikum. Aber man sieht nicht viel, allein schon wegen der Beleuchtung immer, gerade im Club. Aber es ist natürlich schon wichtig, wie das Publikum drauf ist. Ob's denen gefällt, das merkt man ja nach den ersten zwei, drei Songs. Ob die irgendwie dabei sind, oder ob die da rumstehen und eher das ganze Konzert lang nur beobachten und kritisierend einfach da stehen oder so... Man merkt's halt am Applaus im Prinzip, so wie's halt sein muß.
CaR: Also ist es schon ein Unterschied ob die da stehen und... - es gibt ja rumstehen und rumstehen.
Steffen: Es gibt Leute die einfach rumstehen und man merkt denen aber an, dass die sehr interessiert sind und den Songs intensiv zuhören. Und es gibt halt die andere Fraktion, die steht halt da mit'm Bierchen und labert mit dem nebendran und hört überhaupt nicht zu. Wenn man das mitkriegt, und das sieht man natürlich auch in diesen ersten Reihen, das kann schon ätzend sein. Für mich persönlich, wie eben schon gesagt, wenn ich 'nen guten Tag hatte isses mir wurscht...

Chris: Ich glaube, ich bekomm schon ein bisschen was mit. Also, das kommt immer auf den Typ drauf an. Ich versuch schon so oft wie möglich in's Publikum reinzugucken. Ich seh natürlich nicht immer so viel. Es kommt immer drauf an, wie die Halle beleuchtet ist. Aber zum Beispiel gestern waren jetzt nicht soviel Strahler direkt bei uns im Gesicht drin, so dass man schon die Möglichkeit hat recht viele Reihen zu überblicken. Also ich würde mir schon zutrauen, dass wenn irgendwas weiter hinten, oder wenn irgendwas passiert, dass man das schon mitkriegen wird. Also falls jemand jetzt umfallen würde oder jemand würde irgendwie so weggeschubst werden, dass er auch umfällt oder so, oder irgendwas wäre. Also, ich kann mir schon vorstellen, dass man das mitbekommen kann. Aber wie gesagt, das kommt immer darauf an, wie die Lichtverhältnisse sind und. Ich hab eben schon ab und zu die Möglichkeit auch in's Publikum reinzugucken und das kommt bei jeden drauf an wie er eben gerade so drin steht.

Udo: Es kommt drauf an, wie man sich drauf einlässt. Wenn ich mich so richtig nur in die Musik konzentriere, kann ich mich abschotten, dass ich wenig davon mitbekomme. Aber ich will ja nicht unbedingt wenig davon mitbekommen. Manchmal ist es ja so, wenn im Publikum gar nichts geht, dass wirklich so überhaupt keine Reaktion da ist - was jetzt bei uns seltener der Fall ist - dann muß man aufpassen, dass man nicht so den Vorhang runter macht und halt echt das Ding einfach durchzieht.
Ich muß dazu sagen, ich spiel ja mit einem In-Ear-System, das heißt ich hab gegossene Stecker. Ich selber höre das Publikum wenig, also ich seh es meistens weil ich ziemlich abgeschottet bin. Die anderen hören das besser. Ich seh's halt dann.
Ich beobachte das Publikum permanent. Also, ich hab immer die ganzen Gesichter vorne vor meinem Auge und meistens, wenn so in den ersten zwei Reihen irgendjemand steht, der mich gerade in so einer bestimmten Sekunde anguckt, dann sind das immer die Leute für die ich dann die Show spiele. Wo ich dann sage "der isses heute". Das ist egal, ob das jetzt ein ein Mädchen ist oder ein Junge. "Der isses heute, für den geb ich heute Vollgas". Ich mach das gern an irgendwelchen Gesichtern fest, dann macht das richtig, richtig Spaß.


CaR: Wie intensiv beschäftigen dich Dinge, für die du dich interessierst?

Zac: Du meinst abseits der Musik?
CaR: Och, kann auch musikalisch sein...
Zac: Also, wenn ich mich für was interessiere, dann schon intensiv. Bei mir ist das immer so, ich ich versuch mich schon für mehrere Dinge zu begeistern, und auch musikalisch gesehen, deshalb hab ich ja auch mit Daniel das Projekt, Tobacco, und helfe zum Beispiel bei Solarscape aus und das sind alles so Sachen. Also wenn, dann muß ich mich richtig drauf einschießen. Und wenn's mir richtig gefällt, wenn ich da richtig drin aufgehen kann, und wenn's mich irgendwo weiterbringt und ich Spaß dran hab, dann gibt's eigentlich keine halben Sachen. Also man muß sich reinknien und muß 100% dahinterstehen, weil, wenn man was macht, dann muß man's auch richtig durchziehen. Hier und mal was machen, was kleines oder so das find ich dann irgendwie... also ich bin da so'n Notorischer, ich kauf mir 10 Bücher und fang dann eins an. Ich les das 'ne Woche und komm dann nicht weiter und dann fang ich das zweite oder das dritte an. Beim Bücher lesen bin ich genau umgekehrt, da sollte ich mal ein Buch durchlesen aber das pack ich dann nie, weil das Interesse so schnell umschwingt. Ich hol mir da 'ne Biografie und dann will ich aber wieder 'n Roman lesen und dann fang ich da wieder an... aber musikalisch gesehen versuch ich immer die Dinge durchzuziehen.

Steffen: Sehr intensiv würde ich sagen. Dinge für die ich mich interessiere, das sind nicht sehr viele, aber dafür sehr wichtige Dinge für mich. Das ist natürlich zum einen die Band, das ist zum anderen auch noch so'n bisschen mein Job den ich irgendwann mal gelernt hab - das ist diese Kinderkrankenpflegegeschichte mit Frühgeborenen und Babys im Krankenhaus - und das ist meine Famile so. Das sind so drei Dingem, die mein Leben ausmachen und ich hab nichts anderes im Kopf. Also, für die drei Dinge setze ich mich eben irgendwie ein, ich beschäftige mich mit nichts anderem und das ist halt alles also sehr wichtig und sehr intensiv. Und wenn da irgendwas in irgendeinem Bereich mal nicht klappt, oder was schiefgeht oder irgendwas, dann kann ich auch schonmal ein, zwei Wochen echt schlecht drauf sein. Das ist zum Glück in letzter Zeit nicht so viel .. obwohl naja
CaR: ... wie heute...
Steffen: Ja, ach, das seh ich eher humorvoll. Mein Gott, was soll's. Haben wir halt 'n schönen Tag...

Chris: Wenn ich mich für was interessiere... ja dann beschäftigen die mich schon sehr. In dem Moment wo ich ein gewisses Interesse zeige leb ich die Sache irgendwie und bin da richtig drin und engagier mich und versuch da irgendwie zu helfen und mitzumachen und will dann auch immer mehr wissen. Also das Interesse ist, denk ich, der wichtigste Motor für... für... keine Ahnung, jeden Menschen vielleicht oder für alles. Also ich denk mir, mit Interesse, da können sich dann irgendwie Türen öffenen. Zum Bespiel gerade in der heutigen Zeit wo viele Leute sagen - so All These Things-mäßig - sie wissen nicht, was sie machen sollen, dann ist es für mich so'ne Art Lösung einfach mal zu gucken "was interessiert mich, wo hab ich wirklich Bock drauf". Weil ich denke, wenn man sich wirklich für was interessiert, dann ist man dann automatisch auch irgendwie gut drin. Weil man eben Bock drauf hat, weil man Interesse zeigt. Deswegen, wenn vielleicht irgendjemand was anfängt zu studieren, und er merkt er hat irgendwie keinen Bock, er hat aber irgendein anderes Interesse, was ihm wirklich Spaß macht, wo er wirklich dahinter steht, dann sag ich, dann soll er lieber das andere machen. Wenn es irgendwie geht. Auch vielleicht ohne Ausbildung oder ohne, dass man 'ne Lehre macht oder studiert, weil wenn jemand wirklich Interesse hat für was und sich dafür begeistert, ich denk, dass ist viel mehr wert als so'n Studium oder irgendwas zu machen nur halbherzig.

Udo: Ich bin ein absoluter Suchtmensch, diesbezüglich. Also ich kann Sachen grundsätzlich nicht halb machen, ich muß Sachen immer sehr, sehr extrem machen. Ob das früher der Sport war - ich war ja mal Torwart -, ob das jetzt Rennradfahren ist, ich muß das dann immer bis zum Exzess machen. Bis an die absoluten Grenzen. Genauso ist es mit der Musik. Ich kann nichts normal machen. Ich muß das immer ausloten bis zum geht-nicht-mehr. Ich weiß auch nicht warum, ich bin da immer sehr extrem.


CaR: Wie ist das für dich, wenn du merkst, das sich Fans ganz intensiv mit readymade beschäftigen?

Zac: Ich find's immer wieder erstaunlich, wenn man irgendwie Leute kennenlernt, wie ihr zum Beispiel, die dann irgendwo mitten am Ende der Welt oder am Ende Deutschlands auftauchen, wo man sich überhaupt nicht vorstellen kann, was die Leute gerade hinbter sich oder auf sich genommen haben um dahin zu kommen. Das haben auch die Solarscape-Jungs erzählt, als die irgendwo gespielt haben, ich weiß gar nicht wo... wo's geregnet hat und da standen vielleicht 10 oder 20 Leute vor der Bühne und in der ersten Reihe beim Regen [Anm. CaR: gemeint ist das Out of Ordinary]. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, dass es sowas überhaupt gibt. Irgendwo sind wir ja ziemlich Bescheiden was so Sachen angeht und wenn man sich das Ganze vorstellt, also ich finde, also das kann man vielleicht gar nicht Worte ausdrücken sowas.

Steffen: Dann denk ich irgendwie, das was du hier tust hat einen fantastischen Sinn, weil sich andere Leute so dermaßen intensiv für das interessieren, was du auf die Beine gestellt hast. Also das ist natürlich sowieso das größte, was einem als Musiker oder Künstler allgemein passieren kann, wenn sich andere Leute so sehr da irgendwie reinversetzen, in das was du irgendwie geschaffen hast.
CaR: Andere können sowas ganz und gar nicht nachvollziehen...
Steffen: Ja gut, jeder hat da seine eigene Einstellung. Verstehen kann man's manchmal nicht so ganz, wenn sich Leute wirklich so dermaßen da drauf abfahren und alles mögliche sammeln... Autogramme und jedes T-Shirt, jedes Poster, jedes Interview und im Jahr 200 Konzerte besuchen und so weiter. Das ist bei uns natürlich eher selten, aber das gibt's halt vereinzelt und man kann's... verstehen kann man's nicht wirklich. Also, man denkt sich "was geht bei den Leuten im Kopf vor", aber man findet's einfach fantastisch, weil man selber vielleicht nicht in der Lage ist so'n Fanatismus für irgendwas aufzubringen, und das aber bei anderen Leuten erlebt.

Chris: Ich find's generell gut, wenn sich Leute mit irgendwas beschäftigen. Und ich mein, das ist auch in der heutigen Zeit, dieser Konsumzeit gar nicht mehr so die Regel, dass sich die Masse so großartig mit Musik beschäftigt oder auseinandersetzt. Also ich glaub nicht, das wirklich - was weis ich - die Leute, die jetzt irgendwie englischsprachige Musik hören, dass sich da die Masse sozusagen hinsetzt und in's Booklet geht und die Lyrics nachliest und vielleicht mit'm Wörterbuch nebendran sitzt und Wörter nachschlägt. Ich denk das ist vielen Leuten heute alles schon zuviel. Die wollen sich da auch 'n bisschen fallenlassen und ein bisschen abschalten und relaxen, was ja durchaus auch akzeptabel ist. Aber umso mehr freu ich mich eben, wenn's eben noch Leute gibt, die sich wirklich damit beschäftigen und damit auseinandersetzen und deswegen find ich das schon richtig klasse.

Udo: Ist sehr großartig. Aber ich hab auch so einen Spezialfall, ich glaub da bin ich der einzige derzeitig in der Band, wo jemand durch einen Zufall meine Nummer rausgekriegt hat und halt bei mir zu Hause, privat, super oft anruft. Und das ist meiner Frau halt überhaupt nicht recht. Wir kennen denjenigen und der ist ein schräger Hund, sag ich mal. Er ist zwar super lieb und so, aber da kriegste manchmal so'n bischen Verfolgungswahn. Bei uns ist das ja jetzt noch nicht so extrem wie bei den großen Rockstars. Aber das ist zum Beispiel schon sehr unangenehm, das ist so 'ne schmale Gradwanderung. Aber prinzipiell ist es unglaublich, wenn sich jemand so reinsteigert in die Sachen, die man macht. Und dazu fast noch mehr Bezug entwickelt als man selber. Weil wenn man 'ne Platte gemacht hat, dann packt man die ja auch irgendwie kopfmäßig und gefühlsmäßig bei Seite und dann fängt das ja erst an zu arbeiten bei den Leuten, die mit dieser Platte irgendwelche Erinnerungen verbinden. Ich verbinde mit den Platten dann halt Erinnerungen wie wir den Song geschrieben haben oder wie's im Studio beim Aufnehmen war, aber jemand der irgendwie - was weiß ich - seine erste Liebe bei dem Song kennenlernt hat eine ganz andere Interpretation und Erinnerung an das Lied. Für den ist das ein Fotoalbum der Zeit. Das hat ja wahrscheinlich jeder. Du kannst dich genau erinnern "welche Musik habe ich mit 15 bei meinem ersten Freund gehört" und das kann 20 Jahre später sein. Du hörst diesen Song und weißt automatisch wie's in dem Moment gerochen hat, welches das Wetter war, wie du dich Gefühlt hast, und bist genau dort wieder drin. Und das ist eigentlich das größte was Musik bewirken kann, ich finde das sensationell. Ich mein ein Foto kannst du verlieren, alles kannst du verlieren, aber ein Song wird irgendwie immer da sein. Es wird immer jemanden geben der irgendwie die Melodie singt.
CaR: Genau so ging's mir damals bei meinem ersten Konzert von euch mit dem OMD-Intro. Maid of Orleans. Das war für mich immer Urlaub und als ich noch ganz klein war, und ich steh da auf eurem Konzert und das wird eingespielt...
Udo: Bei mir ist das U2. Joshua Tree ist eine ganz emotionale Platte. Das lustige ist, dass andere Leute das halt in keinster Weise nachvollziehen können. Und wenn die dann über so eine Platte herziehen, oder das zerreden, das tut einem persönlich weh. Das tut wirklich weh und du denkst dir "sei einfach nur still." Das hat für mich eine persönlich tiefe Bedeutung und ich möchte nicht, dass irgendjemand das zerredet. Ich will da nicht drüber diskutuieren. Das hab ich früher als Kind mit Elvis immer so gemacht, weil alle Leute in der Schule immer drüber gelacht und gelästert haben. Dabei wussten die das überhaupt nicht, deswegen hab ich das niemanden gesagt. Ich hab das immer ganz geheim behalten, für mich, weil ich nicht wollte das jemand irgendwie über ihn herzieht und mich oder ihn damit verletzt.


CaR: Was hältst du von Autogrammstunden wie auf dem Hurricane und wie fühlst du dich dabei?

Zac: Manchmal ein bisschen fehl am Platz. Nicht, weil ich keine Autogramme geben will, aber man hält sich einfach für gar nicht für so wichtig. Man denkt "warum will der ein Autogramm von mir?" Also ich weiß noch als wir angefangen haben und die erste Tour gespielt haben, wenn Leute auf uns zukamen, da habich mir gedacht "der will eins von mir? warum?" Ich meine mittlerweile ist das schon normal. Trotzdem denkt man immernoch drüber nach und manchmal fühlt man sich auch komisch. Also gerade beim Hurricane wo man dann da sitzt so wie ein Vogel auf der Stange und dann werden die Leute so durchgeschleust und sowas, und man hat nicht viel Zeit und muß gerade mal unterschreiben und kann auch nicht viel sagen oder sowas. Man kann einen Satz sagen und das war's. Auf so großen Festivals diese Autogrammstunden oder sowas, die find ich schon ein bisschen seltsam.

Steffen: Nich so toll
Udo: (kommt gerade vorbei) Ehrlich? Meinst du diese Visions-Stände, oder was?
Steffen: Ja, du bist gleich dran... (lachen)
Es wäre ja Quatsch, wenn man das abstreiten würde, dass man sich geschmeichelt fühlt, wenn man Autogramme geben darf oder soll. Und es ist auch 'ne ganz andere Sache, wenn man vereinzelt um eins gebten wird. Oder wenn man so kleinere Clubshows hat und man gibt so 2, 3 Leuten ein Autogramm. So eine Hurricane Meet & Greet Autogrammstundengeschichte zum Beispiel, das ist für mich eher ätzend. Man sitzt halt wirklich so nebeneinander wie die 4 Affen auf der Bank und dann stehen da halt 200 Leute in der Schlange und werden so stückweise immer reingelassen und man sitzt da und kritzelt so schnell wie möglich die Autogramme auf's Papier oder auf's Foto oder auf was weiß ich was, das ist irgendwie so Massenabfertigungsscheiße und total unpersönlich und man hat keine Zeit mit den Leuten zu reden und... ätzend. Das find ich echt furchtbar. Oder irgendwelche Autogrammjäger, die irgendwo vor'm Club oder vor'm Festival stehen mit so'nem Packen voll Bandfotos und sowas, das gibt's halt auch, die dann halt alles so schnell wie möglich abgekritzelt haben möchten, um das dann am Ende noch zu verkaufen oder so. Da werd ich schon manchmal agressiv sogar dabei, das find ich halt scheiße. Aber so einzelne Autogrammanfragen, das ist halt schon schmeichelnd auch irgendwo.

Chris: Ich find so'ne Aktion im Prinzip gut. Ich seh nur folgendes Problem drin, dass man eigentlich mit den Leuten nicht persönlich wird. Das das eher so'n inszeniertes Ding ist, wo darum geht, das man schnell ein Autogramm schreibt, aber ein persönliches Gespräch ist nicht möglich. Ich denke a) weil wir keine Zeit dafür jetzt haben in dem Rahmen, wenn da 'ne Schlange steht von 30 Leuten und b) dass die Leute auch die Situation total als unangenehm empfinden irgendwie persönlicher zu werde, weil dann ist dann so'ne gewisse scheu da. Da ist dann so'n Absperrgeländer, da sind irgendwelche Securities, und dann sind dort wir alle vier und hocken da und es ist alles so unpersönlich und da ist die Barriere so groß. Und ich find's auch gut beim Konzert, wenn eben gerade diese Barrieren wirklich gebrochen werden. Wenn auch mal vielleicht von uns jemand... wenn wir mal im Publikum wären oder jemand vom Publikum würde mal auf der Bühne stehen oder wie auch immer, sowas fänd ich auch interessant. Die Barrieren so zu durchbrechen. Das hat mir immer gut gefallen, wenn es auf Konzerten auch irgendwie gelungen ist. In Aschaffenburg, da hat zum Beispiel ein Pärchen bei All You Need total schön getanzt. Keine Ahnung, was das für'n Tanz war, aber die beiden zusammen, da hab ich mir nur gedacht, das wär jetzt cool, wenn die beiden auf der Bühne stehen würden und da so tanzen würden für sich. Es hat einfach gut gepasst und war einfach 'ne coole Sache. Aber wie gesagt, ich muß ja Bass spielen, und da ging das dann irgendwie nicht. Aber sowas find ich gut.
CaR: Ob sich sowas realisieren ließe wäre die andere Frage.
Chris: Das ist die Frage. Also ich mein, das wir in's Publikum springen, das wird sich vielleich jeder Zeit irgendwie realisieren lassen. Da muß ich aber auch sagen, da ist schon so 'ne gewisse Hemmschwelle irgendwie da.
Oder einfach mit den Leuten im Publikum abgehen oder tanzen oder so. Das ist schon schwierig, da ist echt immernoch so'ne Barriere irgendwie da. Aber wie gesagt, nichtsdestotrotz, wär's mal cool, wenn mal Leute oben auf der Bühne irgendwie wären. Das wäre schon schön.

Udo: Eigentlich eine sehr lustige Sache, die Grundidee, aber es endet halt immer so in einer Massenabfertigung. Ich versuch den Leuten immer direkt in die Augen zu gucken, und wenn's halt wirklich dann so Schlag auf Schlag geht wo du eine Karte nach der anderen unterschreibst und sowas, dann haste auch irgendwann keinen Überblick mehr für wen jetzt. Aber ich versuch diese Momente halt extremst zu genießen und versuch so meinen Slow-Motion-Schalter umzulegen. Kennst du das, wenn dir schöne Dinge passieren und du willst die irgendwie in Erinnerung festhalten, aber sie verlöschen viel zu schnell und du fängst dann an, tiefer zu Atmen und glaubst du könntest den Moment irgendwie verlangsamen um ihn tiefer in dein Unterbewusstsein einzubrennen.
CaR: Und das funktioniert sogar...
Udo: Leider viel zu wenig. Ich wünschte, das würde mehr funtionieren.


CaR: Hast du das Gefühl die Medien stellen euch so dar, wie ihr wirklich seid?

Zac: Also zu 80-90% können wir schon zufrieden sein. Ich denke, dass da auch die Medien nicht so viel reininterpretieren können weil es gibt ja nicht so viele Sachen, die man jetzt verdrehen kann. Ich denk schon, dass wir darauf achten in Interviews immer genau das zu sagen, was wir auch sagen wollen. Und nicht zu irgendwie zu blumig zu reden, das jeder das so auslegen kann wie er will. Also es ist schon so, dass man da versucht, das haben wir auch gelernt, irgendwie mal lieber drüber nachzudenken und weniger zu sagen als zuviel. Manchmal nimmt man ja da 'n Satz und da 'n Satz, und fügt die zusammen. Das ist ein ganz anderer Sinn, weil der eine Satz vielleicht ganz am Ende vom Interview kam zu 'nem ganz anderen Thema.
Aber ich glaub zu 80-90% bin ich schon zufrieden. Mit den Medien und so wie wir rüberkommen.
CaR: Was mich immer stört ist wenn bei einem Interview versucht wird der Band Sachen in den Mund zu legen. Bei der Spex hatte ich das Gefühl, als die dann anfingen mit der Bravo zu argumentieren...
Zac: Aber das war schon im positiven Sinn, also der, der das geschrieben hat, der Uwe, der kennt uns jetzt auch schon länger und das war einfach für ihn so'ne Sache, dass es auch irgendwo große Bands geben müsste, die gute Musik haben. Die auch zum Beispiel in der Bravo stattfinden könnten. Und für ihn war's einfach so'n Vergleich oder sozuusagen "hey, es kann auch gute Bands geben, die aus Deutschland kommen, die Musik machen und vielleicht auch irgendwann in der Bravo stattfinden" und das wär ja auch nicht's schlimmes. Wie auch dann Uwe gesagt hat, es kommt immer darauf an, wie man dahin gekommen ist. Und nicht von heute auf morgen, sondern, wie der Weg dorthin war.

Steffen: Mittlerweile schon. Fast. Zu, ich sag mal zu 90% oder so. Find ich. Also, früher war's nich so. Da war's oft so, dass irgendwelche Aussagen von uns falsch verstanden wurden oder falsch ausgelegt wurden oder man hat irgendwas gesagt, was mehrfach gedeutet werden konnte. Das wurde dann auch manchmal in mehrfachen Deutungen geschrieben und ausgedruckt und es gab da auch Sachen, die wirklich scheiße waren und uns genervt haben. Wir haben daraus ein bischen gelernt diese Fragen präzisier, kürzer, manchmal auch Fragen abzulehnen, weil sie uns ankotzen und sowas. So dass die Leute, die die Fragen stellen genau sehen: das wollen die, das sagen die und das wiederrum nicht, und dann haben die auch gar keine großartigen Möglichkeiten irgendwas da drumherum zu wursteln oder zu schreiben. Deswegen kann's eigentlich nur, sag ich mal, zu 90% ungefähr so gedruckt werden, wie wir's auch wirklich sagen und beabsichtigen das es so gedruckt wird. Insofern würde ich sagen, seit 1, 2 Jährchen ist es schon völlig ok, was geschrieben wird.

Chris: Ich denk, bei der Presse ist es immer ganz schwierig, weil die Presse auch immer eine Seite nur beleuchtet und ich denk da kommt der Schreiber sehr zur Geltung. Seine Auffassung von der Ban. Ich denke so Fernsehen und Radio, so Sachen die im Prinzip live sind, die sind immernoch besser. Weil da kann man nachher irgendwie nix mehr tricksen und nichts mehr irgendwie machen, und ich denke das ist wirklich das objektivere irgendwie. Also Fernsehen. Ich finde wirklich Presse ist teilweise eine Sache wo ich mich nicht so ganz wiederfinde. Die picken sich dann auch die Zitate raus, die sie haben wollen, dann werden Sachen umfomuliert, ein Teil stimmt, ein Teil wird verdreht und ausgeschmückt... Es ist schon so'n Fünkchen Wahrheit immer dahinter, aber da wird genau das rausgepickt, was sie so haben wollen und wie sie sich den Artikel vorstellen und wie er irgendwie auch bei ihnen vielleicht in's Konzept passt. Aber, ich denke Fernsehen ist eine bessere Möglichkeit die Band oder und irgendwie objektiver darzustellen.

Udo: Also ich muß jetzt ehrlich zugeben, dass ich in der letzte Zeit ziemlich aufgehört hab die Sachen zu lesen. Weil es immer irgendwas gibt worüber ich mich dann ärger. Worüber ich mich im Allgemeinen immer aufrege ist, dass die Medien in Deutschland nicht so richtig Mut bezüglich deutscher Musik und deutschen Acts haben. Die sagen immer irgendwas, aber es schwebt immer so ein "aber" oben drüber. Und bei uns mag ich's halt nich, dass immer so'n bisschen weinerlich die Artikel sind, so'n bisschen Geflenne. So "eigentlich hätten sie's ja verdient und sie sind ja gut und super und toll" und da schwebt wieder dieses "aber". "Aber sie sind aus Deutschland" oder was weis ich. Statt das sie mal den Mut haben , außer der Spex, hat keiner den Mut zu sagen "ich geh dafür und bring die Jungs auf's Cover drauf" oder sowas. Stattdessen kriegste dann die Frage gestellt "was können wir denn machen?" Da denk ich mir "mein Gott, was weiß ich was du machen kannst? Bring uns auf's Cover vorne drauf, hau mal ein bischen auf die Kacke. Sobald was aus dem Ausland kommt haut ihr immer auf die Kacke und hyped es als das superneue Ding. Wenn's um deutsche Bands geht, tut ihr euch so schwer. Dann setzt ihr grundsätzlich nur das auf's Cover, was dann schon Erfolg hat." Wie zum Beispiel die Sportfreunde. Die werden dann auf's Cover gesetzt, werden dann aber gleichzeitig bei der Plattenkritik zerrissen. Da setzt man dann aus eigenem Interesse die Band auf's Cover drauf, weil man dadurch ja mittlerweile auch Hefte verkaufen kann, aber eine konsequente Bandunterstützung oder sowas war das dann nicht.
CaR: Ich hab den Eindruck, das mit dem Hypen ist immer eine sehr kurzlebige Sache....
Udo: Naja, das ist im allgemeinen so in dem Geschäft. Ich mein, im zehnten Jahr haben wir uns eigentlich ganz wacker geschlagen dafür, das es so kurzlebig ist und wir sehen ja selbst wie viele Bands in der Zeit gekommen sind und wieder gegangen. Das gehen, das kriegt ma ja nicht so mit, aber man merkt plötzlich, wieviel neue Bands es gibt, wieviele Artikel in Zeitungen stehen von Gruppen, die man noch nie gehört hat.


CaR: Auf den beiden ersten Alben habt ihr das Bandlogo in Kleinbuchstaben gedruckt und auf "The Feeling Modified" plötzlich groß - wie kommt's?

Zac: Das war ein Vorschlag von unserer Grafikargentur. Wir haben irgendwie gemeint "macht mal irgendwas" Also die machen dann einen Vorschlag, den gehen wir dann durch und machen zusammen Abänderungen. Und die haben einfach vorgeschlagen mal einfach ein anderes... also was heißt 'Logo', einfach einen anderen Schriftzug zu nehmen. Die haben gemeint die ersten zwei Alben waren so gut und jetzt machen wir mal was anderes. Tja, das ist immer so 'ne Sache. Ich glaub, die Schriftart, die wir jetzt genommen haben ist auch ziemlich präsent überall - auch auf anderen Plakaten.

Steffen: Das ist halt die Sache, dass unsere Grafikargentur da ganz einfach gesagt hat, auf unsere Anregung auch hin.. könnten wir oder wollen wir nicht nicht eventuell mal irgendwas anders gestalten. Und hat zwar diese Kleindruckschreibweise immer sehr gefallen, weil es auch mal was anderes war im Vergleich zu anderen Bandschreibweisen, aber wir haben gedacht, wir könnten ja mal was versuchen mit der neuen Platte, neuen Plattenfirma mal was anderes an den Start zu bringen. Die Grafikargentur hat gesagt "gerne, wir setzen uns mal hin und überlegen uns mal was" und so kam das zustande. Die hatten halt den Vorschlag, wir fanden das ganz nett. Mittlerweile denken wir schon so "naja, ob das jetzt so geil war wissen wir nicht", weil diese Schreibart gibt's ja schon auch auf mehreren anderen Firmen oder Projekten oder sonst irgendwas. Die haben die gleiche Schriftweise oder fast die gleiche. Aber das ist, wie gesagt 'ne ganz einfache Geschichte. Unsere Anregung, deren Umsetzung, und da hatten wir's halt.
CaR: (lachend: ) Eine Freundin von mir meinte mal, das sieht aus wie "wir wollen jetzt endlich groß werden"
Steffen: Och um Gottes Willen, nee, das war nicht so die Absicht. Wenn wir groß werden würden, wär's ok. (lacht)

Chris: Hat natürlich was damit zu tun, dass es auch das dritte Album ist und nach zwei Alben war's mal auch an der Zeit, wir könnten dann auch mal dieses Bandlogo wechseln. Mal irgendwie was Neues zulassen. Wir haben ja sowohl auch die Plattenfirma gewechselt als auch auch den Produzenten und haben ein Management jetzt nach all den Jahren. Und da dachten wir irgendwie, das ganze Artwork, die ganze CD-Gestaltung wollten wir ja diesmal ein bisschen anders machen, wir wollten mehr Farbe reinbringen, mehr Abwechslung. Und zu den Bildern hat's auch irgendwie gut gepasst, wenn man mutig rausgeht und das groß und fett macht. Großbuchstaben und dann noch eben fett. Und dann kam praktisch auch eins zum anderen. Die Musik, die ganzen Veränderungen bei uns, dann die tollen Bilder, die wir dann gekriegt haben als wir gesagt haben wie uns ungefähr das Album vorstellen vom Artwork. Dazu haben eben dann die Großbuchstaben gepasst und dann hat's eben auch gepasst die Großbuchstaben auch groß zu machen. Und nicht eben so klein auf's Album drauf. Das ist dann eher so 'ne Sache wo wir uns auch so'n bisschen von unseren Grafikern leiten lassen, von denen wir sehr überzeugt sind und hinter denen wir sehr stehen. Zudem stehen wir jetzt einfach dazu das groß draufzuschreiben, groß und fett. Wenn's auch vielleicht ein geiles Bild von uns gegeben hätte wo wir alle vier... so'n Knaller-Bandfoto, was wirklich super wäre, vielleicht wäre das auch vorne draufgekommen oder so. Aber mit der Brücke haben wir gesagt, die Brücke ist irgendwie unschlagbar. Also ich denke, wenn du die Band vorne drauf machst, dann muss das Foto wahnsinn sein. Das muß echt der Burner sein, da muß es einfach echt so sein wie nie da gewesen. Und bei der Brücke dachten wir auch "sowas haben wir noch nich gesehen, so 'ne Brücke". Das ist 'ne Nachtaufnahme und die Brücke leuchtet so und das sieht so geil aus. Die Brücke es ist auch so'n Symbol, die einen irgendwo mit hinbringt, und dann das erste Stück My Little Galaxy, wunderbar. Das passt hervorragend! Und damit war dann der große Schriftzug und alles geboren.

Udo: Die haben diese Schablonenschrift irgenwann angebracht. Weil das halt auf das Cover draufgedruckt werden sollte mit diesem Ausgestanzten. Das hat ja dann letztendlich mal wieder typischer Weise nicht geklappt, aber deswegen ist es dann halt bei diesem Schriftzug geblieben. Der hätte mehr Sinn gemacht, wenn es ausgestanzt gewesen wäre. Wobei das eine der wenigen Fragen ist wo ich mir sicher bin, das wir alle das gleiche gesagt haben.


CaR: Zur Bandbiografie: Wie kamen eure alten Bandname zustande und was gefiel euch daran nicht mehr?

Zac: Um Gottes Willen, das weiß ich gar nicht mehr. Ich glaub das war noch nicht mal so wie readymade entstanden ist, das man sich zu viert an einen Tisch gesetzt hat. Wenn man 'ne Band gründet und anfängt und nicht genau weiß wo man hin will verpasst man sich einfach irgend'nen Namen, und versucht den irgendwie catchy zu haben oder sowas. Ich glaub es war auch einfach so, dass wir uns mit der Zeit entwickelt haben. Die ersten zwei, drei Jahre in der Band, das war so 'ne eine Rumsucherei. Und das war... wie jede Band. Erstmal so 8 Konzerte im Jahr gespielt, höchstens. In irgendwelchen kleinen Jugenclubs in Wiesbaden und Umgebung und ich glaub das war so 96 wo wir uns dann so einigermaßen gefunden hatten. Wo wir gesagt hatten "hey, jetzt haben wir quasi so'n Stil entwicklet und das ist unser Ding" und dann haben wir uns entschieden dieser neuen Epoche einen anderen Namen zu geben. Also einen Namen... "ok, das ist es jetzt" und der ganzen Sache, der Vorgeschichte, wollten wir quasi so einen Haken geben indem wir uns umbennen.
CaR: Würdet ihr das nochmal tun?
Zac: Ich weiß nich, ich hab ja mal den Vorschlag gehabt so irgendwie, ich mein so ganz abstrakt... jede Platte unter 'nem anderen Namen zu machen.
CaR: Das wäre wirklich ein bischen abstrakt!
Zac: Ja, das wäre vielleicht ein bischen zu hart. Ich weiß nicht. Nee, ich glaub das ist schon alles.. wir fühlen uns eigentlich ganz wohl damit.

Steffen: Wie kamen die zustande... weiß ich gar nicht. i2i weiß ich überhaupt nicht mehr um ehrlich zu sein, Planet Janet, das weiß ich noch so ganz grob. Das war sogar ein Vorschlag von mir, weil ich 'ne Freundin hatte, die Jeanette hieß. Und da hab ich irgendwie so ganz hip und crazy zu Hause gesessen und dachte "was hört sich denn geil an", weil ich fand diese Jeanette irgendwie so nett und die war sehr wichtig damals für mich. Und dann so ‚Planet Janet', das reimt sich und hört sich irgendwie cool an. Dann hab ich das vorgeschlagen und dann haben wir das irgendwie genommen und das exestierte dann für 2, 3 Monate oder für'n halbes Jahr höchstens oder so, und dann war die Sache wieder gegessen. Vielleicht auch 'n jahr, ich will jetzt nich falsches sagen, ich weiß es nicht mehr.
i2i weiß ich gar nix mehr zu und readymade das war halt dieses... man hat da halt zusammengesessen am Tisch und hat Brainstorming gemacht und hatte das irgendwann. Ich denke das ist auch ganz gut so, das man den Namen gewählt hat im Vergleich zu den anderen, irgendwie.

Chris: Ich glaube der allererste Bandname war 'ne Idee von Zac. Oder vielleicht auch Steffen, auf jeden Fall eher Zac und wir haben ja diesen Namen so abgekürzt. Wir hießen ja sozusagen die erste Zeit Eye To Eye und dann gab's ja diese Abkürzung i2i und irgendwann ging es auf den Wecker dieses Abkürzungsding. Das fanden wir auch alle so blöd, weil jeder auf einmal in dieser Abkürzphase war, wie "Nothing Compares 2 U", und UB40 und keiner hat's vernünftig lesen können. Einer hat gemeint wir heißen 12 Liter oder 121 und lauter so Sachen. Und irgendwann dachten wir dann "neee, das kann's auch nicht sein" und dann kamen wir irgendwie auf die total blöde Idee uns Planet Janet zu nennen, ich weiß auch nicht. Ich glaub, das waren wir alle, oder so. Und dann gab's Planet Hollywood und Planet Fashion und alles hieß auf einmal komischerweise Planet... und dann haben wir Gott sei dank den Plattenvertrag bei TamTam unterschrieben und saßen alle zusammen. Bevor wir unterschrieben haben, haben wir gedacht, ok, wir nutzen jetzt echt die Gelegenheit um nochmal zum dritten Mal den Namen zu wechseln. Weil wir einfach sagten mit Planet Janet wollen wir echt nicht alt werden. Also, das ist jetzt irgendwie so'n Singsang und dann dieser Reim auch noch. Und dann Planet. Wieso Planet und wer ist Janet? Und dann haben wir halt gesagt wir wollen auf jeden Fall - oder für mich war's echt ganz wichtig - 'nen Namen zu haben, der sich nicht reimt und der für sich selber steht so wie The Notwist oder Tocotronic oder sowas. Oder Coldplay, oder... einfach so'nen Namen zu haben, der für sich alleine steht. Und dann kamen wir auf readymade.

Udo: Das weiß ich gar nicht mehr. Planet Janet war irgendwie... wir waren ein halbes Jahr, glaube ich, auf der Suche und da sind ja.. Steve McQueens und andere Namen gefallen, das war unglaublich. Die waren alle so schlecht.
CaR: (lacht) Steve McQueens...
Udo: Ja, da sind wir wahrscheinlich wegen Sharon Stoned drauf gekommen. Aber diese Namen waren alle geschützt. Wir hießen ja auch nicht lang Planet Janet. Ein halbes Jahr, ein Jahr, keine Ahnung. Furchtbare Namen. Aber ein Name ist ja nur ein Name, wie der Zac immer sagt, man muß sich nur dran gewöhnen.
CaR: (verwirrt) Wie hießt ihr jetzt zuerst? i2i oder Planet Janet?
Udo: i2i. i2i war 92 bis 95 oder sowas.


CaR: Gibt es irgendwelche "verschollenen" Bandmitglieder? Also Besetzungswechsel oder ein ehemaliges Fünftes?

Zac: Wir hatten mal ganz, ganz am Anfang... also eigentlich haben Steffen und ich die Band gegründet, weil wir auf der selben Schule waren. Und dann haben wir Aushänge gestartet. Eigentlich nur zwei, an einer Schule und einem Musikgeschäft und die Schule war so'ne Parallelschule. Die war gerade so 200 Meter um die Ecke von unserer, darauf hat sich Chris gemeldet auf den Aushang hin und wir hatten 2 oder 3 Schlagzeuger, die wir durchprobiert hatten - also wir hatten keine Konzerte mit denen - nur geprobt so eine Woche, zwei Wochen mit einem, und Udo war, glaub ich, der vierte. Aber die anderen Schlagzeuger... ich weiß noch nicht mal die Namen von denen. Das war echt nur so probehalber. Und also Udo kam war eigentlich von der ersten Probe an klar "ok, das ist jetzt das Ding" und seitdem gibt's auch die Band eigentlich, das vorher war eigentlich nur so'n rumprobieren.
CaR: Also... seit Dato?
Zac: Ich weiß nicht... also Steffen, Chris und ich haben uns kennengelernt im April 92, und hatten dann den Sommer über so zwei, drei Schlagzeuger, mit denen wir hier und da mal geprobt hatten und Udo kam dann im Oktober dazu, im Dezember hatten wir eben unser erstes Konzert.

Steffen: Nee. Das hab ich ja auch mitgekriegt. Aber das ist ja auch egal, weil es ist einfach so, dass das die gleiche Besetzung ist von Anfang an. Und wie gesagt, wir hatten mal andere Schlagzeugbesetzung, aber nur am Anfang als wir die Band formiert haben, so dass man also nicht sagen kann, dass innerhalb des Bandbestehens da irgendwas gewechselt hat. Und das fünfte Bandmitglied besteht quasi aus dem einen Fuß von Chris und dem anderen Fuß von mir, die wir, die Keyboardsachen so'n bisschen mit den Füßen rumtreten. Aber wir wollen's einfach auch zu viert durchziehen und und keinen fünften Mann irgendwo in die Ecke stellen der da mit dem Keyboard zum Beispiel ruimklimpert oder so. Das hatten wir mal ganz kurz überlegt, weil wohl teilweise sehr viel - gerade bei der letzten Platte - als dann so viel an, naja, nich elektronik, aber Streicher und dies und das, hatten wir mal überlegt "sollen wir uns jemanden dazuholen der das ein bisschen bedient", dass wir nicht soviel zu tun haben auf der Bühne. Haben's dann aber gelassen, weil wir wollen's halt durchziehen wie wir zu viert halt sind.

Chris: Nee, das gab's eigentlich nie. Wir haben nur 'ne Weile gebraucht bis wir unseren Schlagzeuger gefunden haben, das hat Ewigkeiten gedauert. Drei, vier Monate, glaub ich. Wir haben da vier, fünf Schlagzeuger ausprobiert, auch mal 'ne Schlagzeugerin, aber als wir dann irgendwie Udo nochmal angesprochen haben... ich glaube, das war irgendwie so: Udo hat sich irgendwie mal gemeldet ganz am Anfang auf irgendeine Anzeige oder Annonce oder Aushang... und der hat dann aber wohl gesagt er hat keine Zeit und so und weil wir dann so verzweifelt waren hab ich, glaub ich, beim Udo nochmal angerufen. Das war irgendwie 5 Monate später und ich hab ihn nochmal gefragt ob er mal vorbeikommen will und dann haben wir's mit ihm ausprobiert eine Probe und von da war klar, dass er dann bei uns dabei ist, und dass wir uns gefunden haben. Dass die Chemie stimmt.

Udo: Nee. Nicht das ich wüsste, dass jemand gestorben wäre. (lachen)


CaR: Wie siehst du die anderen Bandmitglieder - eher als Freunde oder eher als Kollegen?

Zac: Die müssen beides sein. Ich glaub, so unter Kollegen versteh ich... - also Freundschaft ist sowas, was wir von Anfang schon hatten. Ich mein, das sagt vielleicht jeder, aber das ist ja so, weil Steffen und ich uns ja von der Schule kannten und als wir Chris kennengelernt hatten noch nicht mal 'n Proberaum hatten, keine Instrumente. Wir haben so ganz naiv auf den Zettel geschrieben "Proberaum und Instrumente vorhanden", hat aber nicht gestimmt, weil wir gedacht hatten ,das dauert bis sich da jemand meldet. Aber es hat sich zwei Wochen später direkt Chris gemeldet, und dann haben wir mit dem erstmal so über Musik geredet. Also nur abgehangen, mal 'n Bier getrunken und gelabert und Udo kam auch dazu und das mit der Freundschaft ist da. Aber ich denke nur 'ne Freundschaft allein bringt einem auch nicht viel, weil man muß auch so als Band zusammenwachsen, man muß sich auch gegenseitig anscheißen können, man muß sich auch gegenseitig irgendwie auf 'ne andere Ebene bringen können. Und ich glaub, da ist so 'ne... ich würd's ja nicht kollegialität nennen, aber es ist so'ne andere Art von Freundschaft. Also auch so ein Verantwortungsbewusstsein das da sein muß.

Steffen: Als beides, wobei ich eher sagen würde, schon diese Freundschaft. Ich mein, die bestand von Anfang an, gerade mit Zac und mir. Und das stand nie außer Frage, das ist so, und das ist das Wichtigste. Kollegen muß auch sein, auch das finde ich, weil man auch eine bestimmte Professionalität braucht um quasi in diesem Beruf, der es ja eigentlich irgendwie ist, miteinander arbeiten zu können. Das ist bei uns ein bisschen anders wie zum Beispiel bei den Sportfreunden, die, glaub ich, nur Freunde sind und so berufliche Professionalität im Proberaum, Kollegen oder so, ich glaub da würden die sagen "was willste jetzt damit?". Das ist bei uns schon ein bisschen anders. Ich glaub so bisschen berufliche Kollegenschiene ist da schon mit drin. Muß aber auch sein, find ich, wobei das mit der Freundschaft ganz klar überwiegt. Also, Kollegentum, das bezieht sich bei mir eher so auf... wenn ich mal zwischendurch im Krankenhaus arbeiten gehe, das mache ich ja nachwie vor noch, da hab ich meine Kollegen. Im Proberaum hab ich meine Freunde. So 80/20% mäßig, ungefähr.

Chris: Als Freunde. Ich mein, der ganze Anfang von der Band war wirklich erstmal zusammen abhängen und es war wirklich so, dass wir Wochenlang, Monatelang zusammen weggegangen sind und uns getroffen haben, geredet haben und überhaupt kein Instrument angefasst haben. Echt nur philosophiert haben und uns überlegt haben wie könnte das werden, was wollen wir machen und wo soll das hingehen, wie ernst sollen wir das machen. Wir sind zusammen auf Konzerte gegangen, sind irgendwie abends ausgegangen und das war schon wirklich sehr wichtig, irgendwie. Und da hat man schon gemerkt, dass die Freundschaft das ist, was irgendwie am stärksten ist. Und das dann das Spielen irgendwie kam... wir konnten ja auch irgendwie alle so gar nicht richtig unsere Instrumente spielen. Da musten ja erstmal ewig viele Hürden übersprungen werden und das war ja auch alles nicht so einfach im Proberaum erstmal. Auch die ganzen Instrumente anschaffen und dann eben mal zu sehen wie isses denn überhaupt in 'ner Band? Wie spielt man da, wie funktioniert das alles und da war's schon wirklich wichtig, dass man da die richtigen Leute hat. Wenn man die nicht hat, dann ist es glaube ich wirklich zum scheitern früher oder später verurteilt. Also, ich glaube, da kann man dann vielleicht mit Geld noch 'ne zeitlang irgendwas kitten oder mit Erfolg, aber irgendwie kommt es dann alles raus, weil irgendwann ist Geld dann auch scheißegal und wenn Du den anderen dann nichtmehr sehen kannst und so, das ist dann richtig schlimm. Weil dann wäre zum Beispiel sowas wie jetzt, wo du irgendwie so'n komischen Tag hast wo jetzt hier so'n Ausfall ist zum Beispiel auch schon ein totales Problem. Und so sagt man sich "ja gut, was will man machen". Man macht das Beste daraus. Wir haben eine gute Zeit zusammen, gucken 'n Film oder spielen was. Und das ist das Wichtigste, damit kann man auch mal so Durststrecken überstehen.

Udo: Beides. Kollegen und Freunde. Was heißt, Kollegen, das klingt so berufsmäßig. Ich muß sagen privat hängen wir jetzt nicht unbedingt so viel zusammen, weil wir... mein Gott wir hängen das ganze Jahr aufeinander, da ist man halt auch mal froh, wenn man irgendwie mit seinem Partner ein bisschen Zeit verbringen kann. Kollegen klingt bös...


CaR: Wie hat dich readymade in deinem Leben beeinflusst oder verändert?

Zac: Ich weiß nich was-wäre-wenn, das ist halt so die Frage. Wenn ich Steffen nicht kennengelernt hätte, und was anderes gemacht hätte, wäre ich überhaupt dann dazu gekommen, auf die Idee 'ne Band zu gründen? Oder wären wir dann überhaupt so weit, und ich mein, das ist halt der Lebensinhalt und die letzten 10 Jahre. Und wenn das alles nicht so passiert wäre, ich weiß nicht, was ich machen würde. Also das ist der Lebenweg, den man eigeschlagen hat, nur wegen der Band, also da gibt's gar nichts anderes.

Steffen: Diese Bandgründung mit den Jungs hat halt alles verändert und auch ich richte mich da - muß und will mich richten - komplett nach den Jungs, komplett nach der Entwickung der Band, nach der Entwicklung der Musik und nach allem. Ich denke das ist da mit der wichtigste Punkt im Leben. Ob das immer so bleiben wird steht auf einem anderen Blatt Papier, aber es ist momentan so, und es ist schon sehr lange so. Ungefähr halt 10 Jahre und man richtet eigentlich sich sein ganzes Leben komplett drumherum ein. Das heißt wenn mit der Band oder der Musik irgendwas ist, dann wird das Privatleben danach eigentlich imemr ausgerichtet, dann wird auch die Nebenbeiarbeiterei danach ausgerichtet natürlich und es ist einfach der Mittelpunkt. Also es ist schön und wichtig so, das es so ist.

Chris: Mit Sicherheit schon ziemlich stark. Ich weiß echt nicht, was ansonsten passiert wäre. Weil ich glaube wirklich, wenn ich nicht die richtigen Leute gefunden hätte mit denen ich so Musik mach, und wo mir das auch Spaß macht, dann wäre ich unter Umständen vielleicht gar nicht so lang bei dem Musikding geblieben. Ich meine, als Bassist oder so braucht man sowieso 'ne Band, man kann da irgendwie nicht für sich allein spielen das würde überhaupt keinen Sinn machen. Und großartig Songs kann man eigentlich auch nicht schreiben wenn man Bassist ist. Man kann's natürlich lernen, aber dazu müsste ich dann auch richtig Gitarre spielen lernen, wo ich Akkorde kann, oder Klavier oder irgendwas um richtig komponieren zu können. Das heißt ich brauch eigentlich mehr oder weniger eine Band. Und ich denke, wenn ich wirklich nicht die richtigen Jungs gefunden hätte, dann hätte dieser Drang Musik zu machen einfach irgendwie nachgelassen. Weil ich vielleicht irgendwie gefrustet gewesen wäre, und dann hätte ich wohlmöglich was ganz anderes gemacht. Dann hätte ich irgendwas gemacht, was mir sonst so irgendwie Spaß macht. Ich hatte mal ein Praktikum in 'ner Werbeargentur gemacht und ich war auch davor lange Zeit Rettungssanitäter, hab das auch nach dem Zivildienst noch weiter gemacht. Ich mein, bei mir ist es auch so, ich hab schon viele Jobs gemacht. Viele kleinere Jobs und ich glaub, ich kann mich ganz gut einfügen oder mir macht dann irgendwann auch jeder Job irgendwie Spaß oder ich seh dann in jedem Job was, was irgenwie nett sein kann. Ich würde wirklich nicht sagen, das wenn ich readymade nicht kennengelernt hätte, das ich dann auf jeden Fall Musiker geworden wäre. Das kann ich wirklich nicht behaupten. Da wären die Karten dann komplett neu offen.

Udo: Das ist echt 'ne schwierige Frage, da hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht...
(wir stellen die Frage zurück, und auch später muß Udo nochmal lange nachdenken)
CaR: Mal anders gefragt: was ist jetzt anders als es gekommen wäre, wenn du nicht bei readymade eingestiegen wärst?
Udo: Dann wäre ich wahrscheinlich ein Fußball spielendes Arschloch geworden. Dann wäre ich Sportler geblieben. Durch diese Geschichte... ich mein, das ist mir ja immer schon im Kopf rumgesprungen, weil ich mit 9 Jahren ja angefangen hab zu trommeln. Das war ja schon immer mein abrufbereiter Traum, den man täglich, wenn man in's Bett geht, geträumt hat und wenn man aufgestanden ist. Aber da war halt irgendwie niemand anderes, der diesen Traum mitgegangen ist. In den Bands, in denen ich sonst gespielt hab, die hatten immer irgendwelche Karrierevorstellungen. Halt sowas. Und so lange hab ich halt auch diesen Fußballweg verfolgt, und als dann diese Bandgeschichte lief, war dieser Fußballweg einfach zuende und es hat sich das Neue aufgetan. Und das läuft jetzt 10 Jahre, und mal gucken, wie lange es noch läuft. Man weiß es nicht. Wie es noch kommen wird, es wird immer ok sein. Man muß sich damit abfinden...


CaR: Kannst du die ein anderes Leben (außer Musiker) nochmal für dich vorstellen?

Zac: Ich kann mir schon was vorstellen. Das ist ja dieses "All These Things"-Prinzip. Also, es gibt so viele Sachen, die man irgendwie mal gerne ausprobieren würde, auch wenn's nur probehalber ist. So ganz dumme Sachen so wie ein halbes Jahr lang mal Lastwagen fahren in Amerika, so quer durch. Oder mal durch den Himalaya trekken, oder mal auf'm Krabbenkutter arbeiten, oder irgendso'n Schrott. Immer so Sachen, wo man immer sagt, das würde ich mal gerne ausprobieren. Aber man weiß ganz genau die Zeit ist nicht da um sowas mal zu machen. Und man würd es auch nie tun können. Und wird's auch nie tun. Wenn man Zeit hat, will man lieber was anderes machen oder der Mut verlässt einen zu sagen "ok, ich pack jetzt meine Sachen und hau mal 6 Monate ab" und... ich kann mir schon vorstellen irgendwann mal, wenn das alles zeitlich so'n bisschen softer ist, dass man nicht so'n engen Terminplan hätte, mal sagen würde "ok, jetzt hat jeder mal 6 Monate Zeit und wir sehen uns erst in 6 Monaten wieder, geht mal in die Welt, macht was er will und wir treffen uns dann heute in 6 Monaten im Proberaum." Dann würde ich mir auch überlegen sowas zu machen. Mal irgendwo anzuheuern oder verschiedene Sachen auszuprobieren.
Es ist halt so, wenn man mit der Band so viel rumkommt, merkt man auch manchmal wie geil es ist, irgendwie andere Orte zu sehen. Und ich meine, Reisen hab ich schon immer gern getan, also irgendwo, aber da brauch man echt mehr Zeit. Also ich will jetzt nur 2 Wochen irgendwo am Strand liegen oder so Urlaub... ich mein, das ist auch Urlaub, aber wenn dann auch einfach mal weg, richtig weg, und irgendwo eintauchen.

Steffen: Ja, also ich bin da jetzt auch nicht so fest gefahren, was die Sache angeht. Es ist natürlich momentan so der... Traumberuf. Dass man das halt so machen kann und macht. Aber ich bin auch eher so... ich hatte auch ganz viele Berufswünsche vorher. Ich wollte Arzt werden zum Bespiel. Hatten einen ganz tollen Medizinertest und hätte auch einen Studienplatz schon gehabt. Das fand ich immer ganz toll. Arzt war für mich immer der geilste Beruf ode ich hab auch viele andere Interessen so nebenbei wo ich mir auch irgendwann mal vorstellen könnte auch noch mal irgendwo reinzuschnuppern. Ich versuche auch nicht mein ganzes Leben jetzt nur stur mit so 'nem Tunnelblick auf die Musik und die Band zu richten. Irgendwie ist es natürlich so, aber ich versuch schon irgendwo zwischendurch auch so'n paar Klappen aufzulassen um auch Input von anderen Seiten an mich ranzulassen. Und auch verschiedene andere Interessen auszuschöpfen hier und da und ich weiß auch nicht ob ich mit 50 immernoch wie irgendein The Who - Typ auf der Bühne die Gitarre schwingen will. Das weiß ich noch nicht und das kann ich mir eher nicht vorstellen. Also es kann sein, dass ich auch ganz wo anders noch mal hingehe. Aber das weiß ich nicht. Einfach mal reinleben. Mal weiterleben. Mal gucken.

Chris: Ich kann's mir eigentlich schon vorstellen, ja. Es wäre zwar echt schlimm und schwierig und ein Problem, weil man jetzt ja gerade mit der Band schon so weit gekommen ist. Aus Wiesbaden raus und drei Platten gemacht. Es wäre mit Sicherheit ein Ding wo ich dann immer irgendwie melancholisch dran denken würde.
Wahrscheinlich würde ich auch weiter noch Musik machen, also wenn es jetzt nicht mehr innerhalb dieser vier Leute oder innerhalb der Band passieren würde. Aber ich weiß nicht wie und wie lange und ob es mir dann Spaß machen würde. Also ich denke solange wir hier vier sind und als readymade und darauf Bock haben und das weitermachen wollen, solange hab ich da auch Bock drauf. Und wenn es irgendewann nicht mehr so sein sollte, dann müsste man komplett die Sache nochmal überdenken. Man müsste gucken gibt's 'ne andere Band wo es Sinn macht, dass ich da irgendwie weitermachen würde. Oder eine neue Band gründen oder sowas. Das käm dann drauf an. Auf verschiedene andere Umstände. Das ist auch 'ne Frage, kann man was irgendwie leben, oder wie sieht das andere Leben dann aus?

Udo: Zur Zeit nicht. Ich denke, bei mir ist es im Leben immer so, dass ich Wege zuende gehen muß. Wenn ich nicht das Gefühl hab, das ein Weg zuende ist, das merk ich dann immer ganz deutlich. Wenn ich mir dann Anfange Gedanken darüber zu machen... "was kann ich danach machen - oh mein Gott, ich weiß ja überhaupt nicht, was ich danach machen kann", dann wird man irgendwie unzufrieden und man steigt vielleicht fast in so'ne depressive Phase rein, weil man denkt "ey, ich bin völlig planlos, ich weiß ja überhaupt nicht was ich danach..." und das ist halt Quatsch. Ich bin derzeitig in dieser Situation und mein Weg geht nach x, y ... und in dem Moment wo dieser Weg zuende ist geht 'ne neue Tür auf und ich werde dann eine Perspektive haben, was ich machen will. Sich vorher da drüber Gedanken zu machen, das hat einfach keinen Sinn, weil das Leben geht ja immer irgendwie weiter. Es gibt beispielsweise Zeiten in denen hast du Geld und es gibt Zeiten hast du kein Geld. Und sich irgenwie dann in größte Depressionen zu stürzen weil du kein Geld hast, oder was auch immer gerade nicht hast, bringt gar nichts. Irgendwann wirst du's einfach wieder haben. Man muss halt sehen, das man sich selber und die Pferde ruhig hält und konzentriert im Moment lebt. Daraus ergibt sich, denke ich, auch ein Großteil der Zufriedenheit. Das man nicht immer nach Dingen greift, die nicht da sind, oder die noch nicht an der Reihe sind.


Fragen an Zac:
CaR: Dein Vater ist Amerikaner, du bist in Wiesbaden geboren. Als was fühlst du dich eher, als Amerikaner oder als Deutscher?

Zac: Ich fühl mich schon eher deutsch. Also, die ganze Erziehung und kulturell gesehen. Wenn deutsch, oder Europäer oder wie auch immer. In Deutschland aufzuwachsen oder zu wohnen ist ja auch viel enger verknüpft mit anderen Kulturen. Paris ist 6 Stunden weg und du hast 'ne ganz andere Auffassung was Leben mit anderen Leuten ist. In Amerika ist man ja so nur auf Amerika beschränkt, weil's so groß ist und die Leute eigentlich von den Rest gar nichts mitbekommen. Und ich hab schon beides, ich würd sagen 70/30. Deutsch also schon.

CaR: Hat man als Frontman eine gewisse Verantwortung für die Band?

Zac: Schwere Frage. Ich weiß es nicht. Ich versuch mir jetzt nicht irgendwie so 'ne große Verantwortung an die Brust zu heften, weil ich glaub, da wär ich der Falsche. Weil ich dann auch vielleicht nicht unbedingt der Typ bin, der da jetzt da so viel Verantwortung unbedingt verlangt. Also manchmal ist es schon so, dass wenn Entscheidungen getroffen werden müssen und jetzt irgendwie 4 Köpfe zusammenkommen, dann muß irgendwo auch mal einer sagen "ok, jetzt lass uns mal zu Potte kommen" und das so machen. Eine Band sollte immer als Demokratie funktionieren. Und ich mein, es ist meistens so. Wir sind halt vier und nicht fünf, das heißt es kann auch 2:2 ausgehen. Im Grunde genommen machen wir nichts, was irgendwie einer nicht machen will. Also, wennjetzt drei dafür sind, aber einer sagt "auf keinen Fall, das mach ich nicht", dann wird nochmal überlegt oder diskutiert und dan machen wir's am Ende auch nicht. Also es müssen alle machen wollen, sonst wird's nicht gemacht.


Frage an Steffen:
CaR: Wie schaffst du es Musik und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Steffen: Bei mir ist es wahrscheinlich so'n bisschen die schwierigste Geschichte von uns vieren, weil ich ja so der einzige bin der neben der Musik noch einen Beruf hat, den ich auch noch ab und zu so'n paar Tage im Monat ausübe. Einfach um über die Runden zu kommen finanziell. Kühlschrank, Miete und so, die ganze Geschichte halt, so dass ich halt, wenn wir bandmäßig 'ne Pause haben, irgendwelche Off-Days oder keine Proben, kann ich halt nicht zu Hause auf dem Sofa liegen mit der Freundin sondern bin halt im Krankenhaus und arbeite. Um einfach mein Geld reinzukriegen, das ich halt brauche und das von der Musik noch nicht immer so reinkommt wie man's bräuchte. Und das ist schon manchmal sehr schwierig und ich bin auch manchmal schon ein bisschen geschlaucht. Es ist nicht immer so einfach, aber es ist in 'nem Rahmen wo man's hinkriegt. Also, ich sag jetzt nicht irgendwie, dass ich dadurch jetzt kaputt gehe, und das nicht so durchziehen kann, sondern es läuft so ganz gut. Aber es kann natürlich sein, das das irgendwann demnächst auch aufhört und das ich sage "ok, ich muß das jetzt auch irgendwie weglassen" weil, was weiß ich wie's mit der Platte weitergeht. Vielleicht fahren wir jetzt auch irgendwann mal in's Ausland, wünschenswert wär's ja. Dann kann ich halt auch nicht mehr im Krankenhaus arbeiten. Aber das sehen wir dann ja.
10 Jahre nochmal so dieses Programm könnte ich jetzt wahrscheinlich nicht fahren. Also ich merk schon irgendwie wie's mich zunehmend schlaucht auch. Wenn ich irgendwie 'ne Woche hier unterwegs bin, dann bin ich um einiges fertiger als die anderen, oft. Ich merk das ja auch, wenn man ein bisschen älter wird. Das hört sich blöd an, aber es ist anders als vor fünf oder acht Jahren, wo man noch jünger war, aber es geht noch.


Frage an Chris:
CaR: Wann hast du mit Bassspielen angefangen und was gab den Anstoss?

Chris: Ich denk das waren mehrere Gründe. Zum einen ist es ein Grund, dass wir in der Schule bei uns eine Schul-Big Band hatten, das war die Leibnizschul-Big Band, und ich hatte einen Musiklehrer, der war gleichzeitig auch der Leiter dieser Big Band. Die haben jedes Jahr, glaub ich, im November ein Konzert gemacht. Das ging sogar irgendwie drei Tage, so drei Tage ausverkauft. Die Leibniz-Aula wo wir ja auch unseren ersten Auftritt hatten. Und das war schon immer so ein richtiges Highlight, für einen als Schüler, weil er auch ein Musiklehrer war, der einem die Musik relativ cool nahe gebracht hat. Er war auch ein Musiklehrer, der eher auch so Pop und Rock und Blues und sowas einem näher gebracht und einen darüber aufgeklärt hat. Es gab zwar auch diese Klassiksachen, das man da auch irgendwelche... wie hieß das da...(Chris überlegt eine Weile) - der Freischütz! Und den haben wir die ganze Zeit auch beackert bei ihm und sowas gab's zwar auch, aber er war schon eher der modernere Typ, der lockere Musiklehrer. Und dann war ich auch immer auf den Leibniz-Konzerten und das fand ich immer geil. Der Schlagzeuger hatte dann ein Solo, das war übrigens auch dann der Rainer Dinges, das war der Schlagzeuger von Rekord, und der hatte immer schon einen supergeilen Schlagzeugstil gehabt. Der hat sehr wenig immer gemacht, auch wenn er ein Solo hatte, aber das war immer sehr beeindruckend und irgendwie sehr intensiv und das war richtig geil. Und der Bassist, bei dem hatte ich dann auch mal so ein paar Bassstunden gehabt.
Das waren einfach schöne Stücke, die die auch gespielt haben die Big Band und es war einfach beeindruckend. Es hat auch irgendwie gerockt und das war so eine Sache und die andere Sache war die, das ich zu der Zeit verstärkt auch Musik gehört habe und irgendwie ist mir dann immer aufgefallen, was so der Bassist macht und so was überhaupt die Frequenz vom Bass, das man überhaupt erstmal checkt in 'nem Song "aha, das muß jetzt also der Bass sein". Und in was für einem Frequenzbereich sich der abspielt, hab ich irgendwie gedacht "oh, das wäre ein geiles Instrument was ich auch mal lernen könnte" Ich fand schon immer diese wummrigen Sachen ziemlich gut. Wenn ich gemerkt hab, dass so richtig der Bass irgendwie da ist und spürbar ist. Ich mein, als Bassist muß man das auch auch sagen.
Schlagzeug spielen war auch immer 'n Traum von mir, das mal zu machen und Bass und Schlagzeug, das hat mich schon immer sehr beeindruckt. Der Rhythmus macht unheimlich viel. Ich mein, Bassisten werden ja oftmals auch unterschätzt und man sagt "braucht man den überhaupt, ist der überhaupt wichtig". Manchmal spürt man den vielleicht auch gar nicht, oder weiß es gar nicht, was er gerade macht, aber er ist eben da und er ist so das Verbindungsglied zwischen Schlagzeug Gitarre. So, die beiden alleine, da würde irgendwie in der Mitte was fehlen. Und das ist eben gerade doch dann der Bass.


Frage an Udo:
CaR: Warum spielst du nicht mehr im Anzug?

Udo: Meine Sets sind ja net mehr so alt. Die sind ja nicht mehr von 1930. Und das kam ja dann eher auch'n bischen unfreiwillig, weil durch diese Bryan Adams Sache hatten wir ja dann diese Pulli-Jeans-Peinlichaktion, der ich mich ja dann nicht mehr entziehen konnte. Ich wollte dann auch nicht der Arsch sein, der ich ja dann immer bin mit, von wegen "nee, ich will nur nur im Anzug" und hin und her... und dann hab ich mich halt der Allgemeinheit gefügt ohne große Diskussion, hab gesagt "ok, mein Gott, ich mach's mit, ich kann mich jetzt nicht im Anzug hinsetzen, wenn die Jungs da vorne was anderes machen". Das hatte wiederrum aber den Effekt, dass ich mich plötzlich anders verhalten habe. Im Anzug bist du halt der Gentleman, im Anzug steigste nicht auf deine Bassdrum drauf und trittst auch nicht dein Schlagzeug von der Bühne, wenn's dich gerade mal richtig reißt. Diese Sache hat mich irgendwie wieder verjüngt sozusagen und ich... werd ja jetzt im Dezember auch 30, da ist die Verjüngung gang gut.
CaR: Wann hat denn das angefangen mit den Anzügen?
Udo: Keine Ahnung. 96? Das hat ziemlich genau mit dem Plattenvertrag... nee, zu Planet Janet Zeiten schon. Da fing das irgendwann an.


Und noch eine, die sich einfach so ergeben hat..
CaR: Wie oft probt ihr eigentlich in der Woche?

Udo: Kommt drauf an, was ansteht. Also, wenn wir Songs machen, wenn wir wissen, wir müssen die neue Platte fertig kriegen, dann ist das schon so fünf, sechs mal oder vier mal. Und das ist dann echt hart, das geht dann morgends um 12 los und geht dann bis Nachts um 12. Dann hängen wir halt in unserem Bunker unten drin, in unsrer Tiefgarage und drehen halt echt am Rad. Also, es gibt dann super intensive Zeiten wo wir wirklich jeden Tag drinhängen und verrückt werden. Und dann gibt's wieder Zeiten, wie man halt 'ne Woche nichts macht. Aber das ist auch ok, jetzt sind wir wieder 6 Wochen unterwegs, wenn wir dann zurückkommen - wie sieht das dann eigentlich aus? - ja dann müssen wir sehen, das wir dann mit den Sporties in's Studio gehen, ja und wir müssen schon wieder 'ne neue Platte machen.

Interview: Christine Lauf

Vielen Dank an alle Beteiligten!

Wer Rechtschreib- oder Zeichenfehler findet, darf sie behalten... :o)





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